Tackmann kritisiert Eiweißpflanzenstrategie der Bundesregierung

Kein Plan zur Weiterentwicklung – Anbau von Leguminosen bleibt weit hinter seinen Potentialen zurück – Hohe Sojaimporte aufgrund der schleppenden Entwicklung beim Anbau heimischer Eiweißpflanzen – Bundesregierung verweist auf Impulse durch Forschungs- und Entwicklungsvorhaben

BERLIN. Konzeptionslosigkeit wirft die agrarpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Dr. Kirsten Tackmann, der Bundesregierung bei der Förderung der Eiweißpflanzenstrategie vor. Weder habe die Regierung einen Plan zur Weiterentwicklung der Eiweißpflanzenstrategie noch Vorstellungen zur Rolle des Eiweißpflanzenanbaus bei der Diskussion um die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) nach 2020, kommentierte Tackmann die Antwort der Regierung auf eine Kleine Anfrage ihrer Fraktion. Die Anteile von Leguminosen an der Gesamtackerfläche in Deutschland betrage aktuell nur rund 1,5 %. Je nach Region seien jedoch Anbaupotentiale von 10 % und mehr denkbar, erklärte die Abgeordnete und verwies auf die Vorteile, die aus ihrer Sicht damit für den Schutz von Klima oder Boden und für die regionale Wertschöpfung verbunden wären. Um die aktuellen Tierbestände aus dem heimischen Eiweißpflanzenanbau zu versorgen, würden hierzulande laut Tackmann 3,8 Mio. ha Eiweißpflanzen benötigt. Der schleppende Zuwachs beim einheimischen Anbau führe dazu, dass immer noch ein gleichbleibend großer Teil der Eiweißfuttermittel importiert und damit die benötigte Fläche in den Exportländern beansprucht werde. Die Zahlen der Bundesregierung zeigten zugleich, dass bei einer Reduzierung der heimischen Tierbestände um 12 % die benötigte Fläche um 45 % schrumpfen würde, zitierte die Linken-Politikerin aus der Antwort.

Weitere Anstrengungen notwendig: Demgegenüber zieht die Bundesregierung selbst eine positive Zwischenbilanz ihrer Eiweißpflanzenstrategie. Die Ergebnisse aus ersten abgeschlossenen Forschungs- und Entwicklungsvorhaben zeigten, dass die Förderung neue Impulse für den Anbau und die Verwertung von heimischen Eiweißpflanzen setzen könne, heißt es in der Antwort. Die Regierung räumt allerdings ein, dass weitere Anstrengungen notwendig seien, „um nachhaltigere Verbesserungen der Versorgungs- und Anbausituation zu erzielen“. Daher würden die Aktivitäten der Eiweißpflanzenstrategie fortgeführt und weiterentwickelt, insbesondere Pflanzenzüchtung und Wissenstransfer. Den Angaben zufolge wurden 2018 in Deutschland auf 1,4 Mio. ha Kulturen zur Erzeugung von Eiweißfuttermitteln angebaut. Davon entfielen 1,22 Mio. ha auf Raps und 191.700 ha auf Hülsenfrüchte zur Körnergewinnung. Die Statistik unterscheide nach der Verwendung der Kulturen als Futtermittel, für die Humanernährung oder anderweitig, erläuterte die Bundesregierung.

Ausgabe 21/19 der AGRAR-EUROPE, mit freundlicher Genehmigung der Redaktion