Weiße Lupine im Demonstrationsanbau in Sachsen-Anhalt

Abb. 1: Impfung mit Radicin®

Für die Aussaat 2019 wurde über das LUPINEN-NETZWERK eine anthraknose-tolerante Lupinensorte bereitgestellt. Diese wurde von den Leuchtturmbetrieben Gut Apenburg und Schlaitzer Tierzucht GmbH auf ihren Demonstrationsstreifen gezeigt. Ein potentiell höherer Proteingehalt sowie die zunehmende Verwendung der Weißen Lupine in der Humanernährung machten den Vergleichsansatz zu den schmalblättrigen Blauen Lupinen für den ökologischen sowie für den konventionellen Betrieb interessant.
Mit der noch nicht amtlich zugelassenen Lupinus Albus TRI 07008 („Celina“) wurde in jedem Betrieb jeweils ein Demonstrationsstreifen angelegt. Am 2. April wurde in Apenburg mit 120 Kö/qm gedrillt. In Schlaitz waren es am 11. April 60 Kö/qm. In Apenburg wurde mit  Histick® L geimpft.
Die Impfung mit Radicin® in Schlaitz hat sich nicht bewährt. Beim Befüllen des Saatkastens wurde bei allen Sorten die flüssige Suspension aufgesprüht (Abb. 1).

Die kleinen, etwas kugeligeren Körner der Blauen Lupine rutschten beim Drillvorgang ungehindert nach unten. Bei der Weißen Lupine kam es jedoch zur Brückenbildung und demzufolge zu einer ungenauen Ablage und teilweisen Fehlstellen. Im Ergebnis präsentierte sich dieser Streifen nach dem Auflauf deutlich lückiger im Bestand (Abb.2). In Schlaitz wurde vor der Lupinen-Aussaat mit der Kreiselegge 30kg/ha Hafer in Breitsaat über die gesamte Fläche ausgebracht. Der Betrieb hat damit eine Beikrautunterdrückung praktiziert, bei der nach dem Drillen bis zur Ernte keine weiteren acker- oder pflanzenbaulichen Maßnahmen erfolgten.
Zum Feldtag am 19. Juni 2019 präsentierte sich die Weiße Lupine wie auch die gesamte Demonstration geschlossen. (Abb.3).

Der sehr dominante Hafer  unterdrückte allerdings nicht nur das Beikraut (wie beabsichtigt), sondern konkurrierte auch mit den Lupinen um die knappe Feuchtigkeit im Boden. An einzelnen Pflanzen konnten schwarze Wurzeln ohne Knöllchen festgestellt werden, die als Fusarium sp.und Thielaviopsis sp. isoliert wurden. Inwiefern hier Ertragseinbußen des gesamten Streifens die Folge waren, konnte nicht ermittelt werden. Die Ernte erfolgte am 29. Juli 2019 ohne Ermittlung der Erträge auf den einzelnen Demonstrations-Streifen. Der Ertrag des gesamten Schlages betrug 3,3 Tonnen d.h. 5,5 dt/ha. In Apenburg zeigte sich die Lupine auf dem deutlich besseren Boden sichtbar vitaler im Wuchs und auch geschlossener in den Reihen (Abb.5).

Am Tag der Aussaat wurde hier nach dem Walzen am 13. Mai einmal gestriegelt. Am 6. Juni zeigte sich der Bestand sehr gut und in voller Blüte mit nur wenig sichtbarem Unkrautbesatz. (Abb.6). Zum Feldtag am 2.Juli zeigte sich die Weiße Lupine mit sehr gut gefüllten Hülsen in ausreichender Zahl. (Abb.7) Alle Streifen der Demo profitierten von der vorhandenen Feuchtigkeit, die in diesem bindigeren Boden gespeichert war.

Zum Zeitpunkt der Ernte am 29.07.2019 waren alle Lupinenstreifen gut abgereift, jedoch mit einer deutlichen Spätverunkrautung. Diese war kein Problem des Parzellenmähdreschers. Das beginnende Platzen der Hülsen war bei allen Streifen (außer Haags Blaue) schon kritischer. Bei der Weißen Lupine (Abb.8) verstärkte dies den vergleichsweise sehr hohen Druschverlust. Dieser resultierte möglicherweise auch aus einer falschen Einstellung des Parzellenmähdreschers oder nicht angepasster Technik. Nach der Reinigung der 7 Druschproben am gleichen Tag und der anschließenden Trocknung bei 40°C konnte bei der Weißen Lupine nur ein deutlich geringerer Ertrag berechnet werden. Mit 10,7dt/ha lag sie bei unter 50% des Ertrages der schmalblättrigen Blauen Lupinen. Diese hatten Ergebnisse von 19,7 bis 29,3dt/ha.
Fazit: Bei diesen beiden Vergleichen zwischen Blauer und Weißer Lupine lässt sich keine grundsätzliche Schlussfolgerung formulieren. Eine Applikation von flüssigem Radicin® ist bei Weißer Lupine kritisch oder erfordert eine direkte Kontrolle des Saatgutflusses beim Drillen.

Ein Gemenge von Lupine und Hafer ist nicht grundsätzlich zu verwerfen. Eine praktikable Dosierung ist nur im direkten Vergleich zu ermitteln. Die nicht exakte Ernte lässt keinen Trend der Ertragsstärken zu. Der höchste Ertrag von ´Probor` in Apenburg ist aber auch kein Ausrutscher. Ein Vergleich der Wasserspeicherfähigkeit an der beiden Standort kann ohne Angaben der Menge und Häufigkeit der Niederschläge ebenfalls nicht gemacht werden .

Fotos: Abb. 1,2,3,5,6,7 – G. Schrage (LLG ST) und Abb. 4 – A.Willemsen (Schlaitzer Tierzucht GmbH)