Erzeugertreffen Körnerleguminosen 2018 – ein Rückblick

Das am 11. Dezember gemeinsam mit dem Demonstrationsnetzwerk Erbse/Bohne veranstaltete Erzeugertreffen Körnerleguminosen in Dummerstorf übertraf alle Erwartungen. Über 70 Landwirte, Vertreter aus Forschung, Verarbeitung, Handel und Verbänden waren der Einladung gefolgt. Das traditionelle Treffen mit Beiträgen, Gesprächen und Diskussionen steht bereits im dritten Jahr ganz im Zeichen des Anbaus und der Verwertung der Körnerleguminosen.

Dr. Sanftleben, Direktor der LFA MV, blickte in seiner Begrüßung auf die zurückliegende Saison, welche im Ergebnis mit einem Druschertrag von 436.000 t Leguminosen 28 % unter dem Durchschnitt lag. Er brachte weiterhin zum Ausdruck, dass das bundesweite Potential der Körnerleguminosen bei etwa 10 % der Anbaufläche liegt. Derzeit beträgt der Anteil lediglich 1,6 %. Dr. Sanftleben betonte, wie wichtig es ist, alle Leguminosen entlang der Wertschöpfungskette zu optimieren um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen.

Frau Wegner von der LFA MV stellte die Ergebnisse der Sortenversuche zu Lupinen und Erbsen vor. Zum Ausdruck brachte sie auch den deutlichen, aber regional und sortenspezifisch sehr unterschiedlichen Ertragseinbruch bei Lupinen und Erbsen in diesem Jahr. Bundesweit wurden durch die langanhaltende Trockenheit und den hohen Anbauflächenanteil auf Grenzstandorten die Durchschnittserträge der Vorjahre nicht erreicht (bis 50 % Ertragseinbußen). Bei den Körnererbsen setzten sich auch 2018 die gewohnt leistungsstarken Sorten Alvesta und Astronaute wieder an die Spitze der Sortenversuche.

Foto: Sabine Reincke, Netzwerk Erbse/Bohne

Von umfangreichen Praxiserfahrungen zum Einsatz von Körnerleguminosen in der Tierfütterung konnte Herr Dr. Wiesmann (H. Wilhelm Schaumann GmbH) in seinem Vortrag berichten. Er gab eine Vorstellung davon, was es bedeutet, Rezepturen mit Körnerleguminosen für Rind, Schwein und Geflügel sicher umzusetzen. Von großem Interesse für die Landwirte waren die gezeigten Rationsbeispiele. Sehr anschaulich wurden Futterwerte einschließlich Ergänzungen bei Monogastriern vorgestellt. Seinen Aussagen zufolge ist für eine präzise Rationsberechnung die Analytik der Protein- und Alkaloidwerte unumgänglich.

Zusammenfassend stellte Herr Dr. Wiesmann fest, dass Körnerleguminosen in der Ernährung landwirtschaftlicher Nutztiere als wertvolle Futtermittel hervorragend eingesetzt werden können. Einsatzgrenzen hat er im Rahmen der Rationsgestaltung bislang nicht feststellen können. Diese ergeben sich in den Rezepturen aus den betrieblichen Verfügbarkeiten und notwendigen Ergänzungen anderer Ausgleichskomponenten zur Deckung des Bedarfs essentieller Aminosäuren.

Im Anschluss rundete Herr Dr. Wiesmann seinen Vortrag mit wichtigen Hinweisen zur Konservierung von Körnerleguminosen ab, die Herr Parr (Netzwerk-Landwirt, Gut Dummerstorf) mit seinen Erfahrungen zur GPS-Lupinensilage in der anschließenden Diskussion ergänzte (Link).

Herr Parr stellte das Gut Dummerstorf als sehr gut aufgestellten Landwirtschaftsbetrieb mit integriertem Anbau von Lupinen und Erbsen und deren Einsatz in der Milchviehfütterung dar. In seiner Darstellung von Problemen und Erfolgen im  Erbsen- und Lupinenanbau bzw. deren Aufbereitung berichtete er von praktikablen Lösungen, die auch für ökologisch wirtschaftende Landwirte von Nutzen sind – wie beispielsweise der GPS-Lupinensilierung aufgrund starker Verunkrautung und hoher Feuchte in 2017 sowie der betriebseigenen Trocknung unter Nutzung von Biogasabwärme.

Fotos: Julia Glatz-Hoppe (LFA MV)

Zur Vermarktung von Lupinen und Erbsen sprach Herr de Vries (Ceravis AG) als Produktverantwortlicher in MV für Getreide/Raps/Leguminosen. Von den Leguminosen werden überwiegend Erbsen gehandelt. Der Vermarktungsweg von Lupinen führt zu 100% ins Mischfutter.  Ackerbohnen gehen auch in den Handel (28 %). Erbsen sind jedoch am vielfältigsten einsetzbar und werden überwiegend als Industrierohstoff vermarktet.  Der sehr volatile Markt für alle Körnerleguminosen erschwert speziell für Lupinen einen größeren und dauerhaften Zugang. Damit ist ein wichtiger Ansatzpunkt gegeben, zu dem sich Landwirt und aufnehmende Hand unbedingt verständigen müssen! Denkbar wären hier Erzeugergemeinschaften bzw. Vertragsanbau.

Einen interessanter Einblick in ein erfolgreiches Züchterunternehmen wurde von Dr. Eickmeyer (ESKUSA GmbH) gegeben. Lupinen können mehr – 40/40. „Man kann sie zu mehr verarbeiten als Feed und Food“, davon hat Herr Dr. Eickmeyer  in seinem Vortrag überzeugt und nutzte beim Erzeugertreffen auch gleich die Gelegenheit, diese zukunftsweisenden Potentiale von der Zuchtarbeit bis zur Verarbeitung aufzuzeigen. Die 40/40 sind Sinnbild seines Zuchtzieles für Blaue Lupinen: mit 40dt/ha Ertrag und 40% Rohprotein. Er stellte verschiedene Versuche im Bereich der Lupinenzucht zur Erhöhung der Variabilität durch Einbeziehung genetisch ungenutzter Ressourcen (Bitterlupinen) vor. Als Züchter verfolgt er verschiedene Ansätze und Ziele wie z.B. spätreiferes Material, höhere Kornerträge, Erhöhung des Methioninanteils im Protein und ein höheres Phosphataufschlussvermögen der Wurzeln. Des Weiteren hat er Untersuchungen zur Möglichkeit der Erhöhung des Kornertrages durch einen Vorblüteschnitt vorgestellt.

Der Markt für gentechnikfreie und regional erzeugte Produkte wächst. Die Lupine bietet zudem mit ihren speziellen Inhaltsstoffen eine vielversprechende Rohstoffbasis für die Entwicklung innovativer Lebensmittelprodukte. Dadurch eröffnen sich neue Absatzwege für Körnerleguminosen. Wie umfassend die Blaue Lupine auch als Lebensmittel in der Humanernährung einsetzbar ist, hat Herr Kloth (Lupino AG)  beispielhaft präsentiert. Seine Lupinenverarbeitung sieht er als Rohstoff für gesunde Lebensmittel: Er referierte über wertgebende Inhaltsstoffe, Lupinenverarbeitung, Einsatzmöglichkeiten der Lupinen als Lebensmittel bis hin zu gesundheitlichen Aspekten.

Herr Oliver Wellie-Stephan von der Deutschen Saatveredelung AG informierte zusätzlich zur Weißen Lupine und den neuen Sorten (dazu werden wir 2019 ebenfalls näher berichten).

Grundtenor der Veranstaltung war, dass dieser begonnene Dialog aller an der Wertschöpfungskette von Körnerleguminosen Beteiligter auch über die Projektlaufzeit hinaus unbedingt weitergeführt werden müsse. Sollte – züchterisch wie auch über das Anbaumanagement – eine Ertragssteigerung realisiert werden können (Vortrag Dr.  Eickmeyer, ESKUSA GmbH) und über die Ration eine höhere Abnahme generiert werden, weil keine direkten Einsatzbeschränkung bestehen bzw. die thermische Aufbereitung nicht erforderlich ist (Vortrag Dr. Wiesmann, H. Wilhelm Schaumann GmbH), könnte durchaus auf  Nachfrage- und Angebotsseite die vom Handel geforderten Mengenkontingente erzielt werden und preiswürdige Wertschöpfungsketten in Gang kommen.“

Ausgewählte Vorträge bzw. Zusammenfassungen stellen wir hier zur Verfügung:

Vortrag Frau Wegner (LFA MV) – 400 kB

Vortrag Dr. Wiesmann (Schaumann GmbH) – 1,2 MB

Vortrag Herr de Vries (Ceravis) – 1,5 MB

Vortrag Herr Paar (Gut Dummerstorf) – 900 kB

Vortrag Dr. Eickmeyer (ESKUSA GmbH) – 5 MB